Während der Berichterstattung zum Weltwirtschaftsforum (WEF) gehen jedes Jahr Bilder um die Welt, die mächtige Politiker und Wirtschaftsführer vor verschneiten Panoramen zeigen. Oft im Hintergrund oder als exklusiver Rückzugsort zu sehen: Das Berghotel Schatzalp. Doch der Name Schatzalp oder der Anblick des imposanten Gebäudes weckt bei vielen Betrachtern ein diffuses Gefühl der Vertrautheit, das weit über aktuelle Nachrichtenbilder hinausgeht.
Obwohl das Haus etwas isoliert auf einer Sonnenterrasse hoch über der Alpenstadt thront, ist es ein kultureller Leuchtturm im Kanton Graubünden. Das einstige Luxussanatorium spielte in der Vergangenheit und Gegenwart eine Hauptrolle in bedeutenden Büchern und internationalen Filmproduktionen. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen der Schatzalp.
Mythos Schatzalp Davos: Wo Literaturgeschichte auf Hollywood-Glamour trifft

Literarisches Erbe: Thomas Mann und der Zauberberg
Die wohl berühmteste Erwähnung, die den Weltruhm von Davos begründete, findet sich in der Literatur. Das Hotel ist das reale Vorbild für den Schauplatz in Thomas Manns Meisterwerk „Der Zauberberg“ *. Der 1924 veröffentlichte Roman beschreibt das Leben des jungen Hans Castorp, der eigentlich nur für drei Wochen zu Besuch kommt, aber schließlich sieben Jahre in der geschlossenen Welt des Sanatoriums im Hochgebirge verbringt.
Dort trifft er auf vom Leben gezeichnete Figuren, die ihn mit Politik, Philosophie, aber auch mit Liebe, Krankheit und Tod konfrontieren. Das Buch ist auch heute noch, gut 100 Jahre nach Erscheinen, absolut lesenswert und in diversen Formaten erhältlich. Doch Mann war nicht der einzige prominente Gast. Auch Arthur Conan Doyle, der geistige Vater von Sherlock Holmes, residierte hier. Er nutzte seine Aufenthalte zwischen 1893 und 1895 nicht nur zur Erholung, sondern initiierte auch den Bau des Golfplatzes in Davos.
Die Schatzalp als internationale Filmkulisse
Erst in jüngerer Vergangenheit entdeckte auch die Filmindustrie das Potenzial der historischen Mauern. Während einige Geschichten tatsächlich in Davos spielen, nutzen andere das Hotel lediglich als atmosphärisches Set. Im Jahr 2005 diente das ehemalige Sanatorium als Kulisse für die Reality-TV-Serie „Das Internat“.
Künstlerisch anspruchsvoller wurde es im Sommer 2014, als Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino für sein Drama „Ewige Jugend“ (Original: Youth / La Giovinezza) auf der Schatzalp drehte. Zum Cast gehörte unter anderem Michael Caine und Harvey Keitel. Auch wenn die Schatzalp im Film nicht namentlich eine Hauptrolle spielte, prägte ihre Ästhetik den Film maßgeblich. Ein weiteres Highlight folgte mit dem Film „Die Frau im Mond“ * (Original: Mal de pierres), der ebenfalls weite Teile der Handlung auf der Schatzalp inszenierte und Marion Cotillard in der Hauptrolle zeigte. Der Film feierte 2016 in Cannes Premiere und basiert auf einem Roman der italienischen Autorin Milena Agus.

Historische Architektur im Herzen der Schweiz
Die Geschichte des Hauses ist untrennbar mit der Erschließung der Region verbunden. Bereits im Jahr 1899 wurde die Davos-Schatzalp-Bahn fertiggestellt. Diese Standseilbahn ist noch heute in Betrieb und verbindet Davos Platz in wenigen Minuten mit der Schatzalp. Dabei wird ein Höhenunterschied von rund 300 Metern überwunden – von 1560 Metern auf 1861 Meter über dem Meeresspiegel. Verlässt man die Bergstation, steht man direkt vor dem beeindruckenden Jugendstilbau.
Errichtet wurde das Gebäude zwischen 1898 und 1900 von den Zürcher Architekten Otto Pfleghard und Max Haefeli. Eröffnet am 21. Dezember 1900, galt die Schatzalp als fortschrittlichste Heilstätte der Region. Schon damals war das Haus an das Telefon- und Telegrafennetz der Schweiz angeschlossen und verfügte über eine eigene Poststelle. Wer tiefer in die Historie und das Wirken des Initiators Willem Jan Holsboer eintauchen möchte, findet auf der Webseite des Hotels faszinierende Details – bis hin zu Broschüren aus dem Jahr 1900, die „sechs Mahlzeiten täglich“ für Lungenpatienten anpriesen.
Ab 1953 wurde der Sanatoriumsbetrieb eingestellt und das Haus als Berghotel Schatzalp weitergeführt. Heute wird der dreistöckige Bau ganzjährig als Hotel betrieben und bewahrt den Charme vergangener Tage. Wer also eine Nacht dort verbringen möchte, wo einst Hans Castorp philosophierte und Hollywood-Stars drehten, sollte den „Zauberberg“ auf seine Reiseliste setzen.

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