So wird Weihnachten in Italien gefeiert. Wer an Italien denkt, hat sofort Bilder von langen Tafeln, gestenreichen Unterhaltungen und einer scheinbar endlosen Abfolge köstlicher Gerichte im Kopf. Und nirgendwo wird dieses Klischee wahrhaftiger gelebt als beim Pranzo di Natale, dem traditionellen Weihnachtsessen am 25. Dezember.
Anders als beim Cenone am Heiligen Abend, der traditionell fleischlos und fischbasiert ist, zelebriert das Mittagessen am ersten Weihnachtstag die pure Opulenz. Es ist ein Marathon des Geschmacks, bei dem Zeit keine Rolle spielt und der Genuss im Mittelpunkt steht. Für alle, die dieses Jahr ein wenig italienisches Flair in ihr Zuhause bringen wollen, werfen wir einen Blick auf die Anatomie dieses klassischen Menüs.
Das isst man in Italien zu Weihnachten
Zwischen Tortellini und Panettone: Eine kulinarische Reise durch das authentische Festtagsessen im Land des Dolce Vita.
Der Auftakt: Antipasti und die heilige Pasta-Tradition
In Italien beginnt kein Festmahl ohne eine beeindruckende Auswahl an Antipasti. Doch zu Weihnachten wird hier besonders viel Wert auf Qualität gelegt. Auf den Tischen finden sich Platten mit Culatello, feinstem Prosciutto, eingelegten Artischocken, Oliven und oft Meeresfrüchtesalat. Es ist ein geselliges Teilen, das den Appetit anregt, ohne ihn zu sättigen – eine Kunst für sich.
Darauf folgt der Primo, der erste Gang, der in vielen Regionen fast schon religiösen Charakter hat. Ein absoluter Klassiker, besonders im Norden und der Mitte Italiens, sind Tortellini in Brodo. Diese kleinen, mit Fleisch gefüllten Teigtaschen, die in einer kräftigen, heißen Kapaun-Brühe serviert werden, wärmen die Seele. Weiter südlich dominiert oft die Lasagne oder gebackene Pasta (Pasta al Forno). Diese Gerichte symbolisieren Fülle und Wohlstand und bilden das Herzstück der kulinarischen Tradition.
Der Hauptgang zu Weihnachten: Fleischgerichte als Symbol der Fülle
Nach der Pasta folgt der Secondo, der Hauptgang, der oft von saisonalen Beilagen (Contorni) begleitet wird. Hier zeigt sich die regionale Vielfalt besonders stark, doch einige Klassiker vereinen die Nation. Ein gefüllter Kapaun (Cappone ripieno) oder ein saftiger Braten stehen häufig im Mittelpunkt. In Begleitung von Rosmarinkartoffeln oder sautiertem Spinat wird das Fleisch zart gegart, bis es fast auf der Zunge zergeht.
Es ist diese Hingabe an die Zubereitung, die Weihnachten in Italien so einzigartig macht. Es geht nicht nur um das Essen selbst, sondern um die Liebe, die in stundenlanges Schmoren und Würzen investiert wird. Oft werden dazu Linsen serviert, die – ähnlich wie zu Silvester – Geld und Glück für das kommende Jahr verheißen sollen. Ein Glas kräftiger Rotwein, etwa ein Barolo oder Chianti, rundet diesen Teil des Menüs harmonisch ab.
Das süße Finale: Dolce Vita im Kreis der Liebsten
Kein italienisches Weihnachtsmenü endet ohne das Dolce. Hier scheiden sich die Geister oft in zwei Lager: Team Panettone (der Mailänder Früchtekuchen mit kandierten Früchten) und Team Pandoro (der veronesische, sternförmige Hefekuchen ohne Früchte, bestäubt mit Puderzucker). Oft wird beides serviert, begleitet von einer Mascarpone-Creme und einem Espresso oder Digestif.
Doch die wichtigste Zutat, die in keinem Rezeptbuch steht, ist die Gesellschaft. Das stundenlange Sitzen bei Tisch, das Reden, Lachen und Diskutieren ist der eigentliche Kern des Festes. Es ist die Zeit, in der die Familie zusammenrückt und den Alltag draußen lässt. Dieses „Slow Eating“ ist mehr als nur Nahrungsaufnahme; es ist eine kulturelle Identität. Wer dieses Gefühl nach Hause holen möchte, braucht also nicht nur die richtigen Zutaten, sondern vor allem Gelassenheit und die Freude am gemeinsamen Genuss. Buon Natale!

