Wer seine aussortierte Kleidung an große Secondhand-Plattformen schickt, tut dies meist mit einem guten Gewissen. Doch eine aktuelle Investigativ-Recherche des SWR-Formats „team.recherche“, verfügbar in der ARD Mediathek, wirft nun ein dunkles Licht auf die Versprechen der Branche. Im Fokus steht dabei die Plattform Sellpy, die sich mehrheitlich im Besitz des Modegiganten H&M befindet. Die Dokumentation „Inside Secondhand – wo deine Kleider wirklich landen“ deckt auf, dass der Weg zur Nachhaltigkeit oft in Sackgassen endet, die Kunden so niemals erwartet hätten.
GPS-Tracker entlarven das Nachhaltigkeits-Versprechen
Über einen Zeitraum von anderthalb Jahren verfolgten die Reporterinnen zwölf Kleidungsstücke mithilfe versteckter GPS-Tracker. Das Ziel: Prüfen, ob die Textilien wie versprochen verkauft, gespendet oder fachgerecht recycelt werden. Die Ergebnisse der Tracking-Recherche sind ernüchternd. Statt einer „nachhaltigeren Zukunft“ offenbarten die Daten weite Transportwege über hunderte Kilometer und Endstationen, die auf der Website des Unternehmens mit keinem Wort erwähnt werden.
Zwischen Autoteilen in Polen und Hinterhöfen in Pakistan
Besonders brisant: Eine Hose, die laut Sellpy als Spende deklariert war, landete bei einem Autoteilehändler in Polen. Dieser gab offen zu, Kleidung auf afrikanische Märkte weiterzuverkaufen – ein klarer Widerspruch zur offiziellen Kommunikation der Plattform. Noch drastischer sind die Spuren, die nach Pakistan führen. In Karachi endeten getrackte Stücke auf Großmärkten, wo Textilien in schlechtem Zustand oft als billiger Brennstoff zweckentfremdet werden. Aufnahmen einer Ziegelsteinfabrik belegen, wie Kleidung dort schlicht verbrannt wird.
Verbraucherschützer sprechen von Täuschung durch Sellpy
Während Sellpy betont, dass die Verlängerung des Lebenszyklus gebrauchter Ware ökologisch sinnvoller sei als eine Neuproduktion und man auf die Einhaltung europäischer Vorgaben durch Partner achte, hagelt es Kritik von Experten. Ruth Preywisch von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz findet deutliche Worte: Wenn Unternehmen Nachhaltigkeit versprechen, ohne die tatsächlichen Endstationen ihrer Ware zu kontrollieren, handle es sich um eine Form der Verbrauchertäuschung.
Für alle, die wissen wollen, was wirklich mit ihrer Mode passiert, bietet die neue Doku tiefe Einblicke in ein System, das mehr Schein als Sein zu sein scheint. Wer bewusster konsumieren möchte, sollte sich intensiv mit dem Thema Second Hand auseinandersetzen und kritisch hinterfragen, wohin das Paket nach der Postfiliale reist.
Die vollständige Dokumentation ist ab dem 5. März 2026 in der ARD Mediathek abrufbar: Hier geht es zur Recherche.
Bildrechte: SWR/Labo M

