Ein lauer Abend irgendwo in der Altstadt, die Gassen leuchten golden, und auf dem Tisch stehen Reste von dem wohl besten Abendessen seit Monaten. Antipasti mit Tomaten die frisch von der Sonne geküsst schmecken. Dann die Pasta und ein Hauptgang. Und zum krönenden Abschluss das Dessert, das man trotz vollem Bauch einfach noch bestellt hat: Panna Cotta, natürlich mit etwas zu viel Karamellsauce, perfekt. Der Abend könnte jetzt nicht besser sein. Der Kellner bringt lächelnd die Rechnung, man wirft einen entspannten Blick drauf, und dann – da ist diese eine Zeile: Copperto, 2,50 € p.P. Was zur Hölle ist das denn?
Kurz erklärt: Warum man in Italien immer einen Bon bekommt
Bevor es um den Copperto geht, noch eine Kleinigkeit, die in Italien auffällt: Egal wo man einkauft oder isst – der Kassenbon kommt immer. Supermarkt, Eisdiele, Restaurant. Das ist kein Zufall, sondern Pflicht. Italien hat bereits 1983 die sogenannte scontrino fiscale eingeführt, also den steuerlich vorgeschriebenen Kassenbon. Hintergrund war – wie so oft – die Bekämpfung von Steuerhinterziehung. Wer keinen Bon ausstellt oder als Kunde damit erwischt wird, ihn nicht mitzunehmen, konnte theoretisch auch selbst Ärger bekommen. Mittlerweile ist das alles digitalisierter und entspannter, aber der Bon bleibt. Und auf dem steht eben manchmal mehr drauf, als man erwartet.
Was ist Copperto eigentlich – und muss man das wirklich zahlen?
Der Copperto – manchmal auch Coperto geschrieben – ist eine Art Gedeck- oder Sitzplatzgebühr, die in vielen italienischen Restaurants zum Standard gehört. Der Begriff leitet sich vom italienischen Wort für „gedeckt“ ab, also den gedeckten Tisch. Was man dafür bekommt? Brot, Grissini, manchmal auch Olivenöl oder Butter – und grundsätzlich den Platz am Tisch überhaupt. Es ist kein versteckter Aufschlag im bösen Sinne, sondern einfach Teil des Restaurantgeschäfts, wie es in Italien seit Jahrzehnten funktioniert. Wer den Copperto nicht zahlen möchte, kann beispielsweise den Espresso an der Bar im stehen trinken.
Für Touristen hat das sogar einen kleinen Vorteil: Der Copperto steht auf der Speisekarte oder muss zumindest erkennbar ausgewiesen sein – in vielen Regionen ist das mittlerweile gesetzlich geregelt. Wer also die Karte aufmerksam liest, wird nicht wirklich überrascht. Und weil er pro Person abgerechnet wird, ist er in der Regel gut kalkulierbar.
Jetzt die entscheidende Frage: Wer zahlt ihn eigentlich? Grundsätzlich jede Person am Tisch, die einen Platz einnimmt. Kleinkinder, die auf dem Schoß sitzen oder im Kinderwagen schlafen, werden meistens nicht berechnet. Bei älteren Kindern, die tatsächlich am Tisch sitzen und das Brot aufessen, kann es je nach Restaurant schon sein, dass der Copperto fällig wird – aber es gibt keine einheitliche Regel, das liegt beim jeweiligen Lokal. Und der Hund? In hundefreundlichen Restaurants, wo der Vierbeiner einfach unter dem Tisch liegt, wird für ihn kein Copperto verlangt. Zumindest noch nicht.
Was Trinkgeld angeht: Der Copperto ersetzt es nicht. In Italien ist Trinkgeld zwar keine so feste Erwartung wie beispielsweise besonders in den USA, aber ein kleiner Betrag – ein paar Euro bei einem schönen Abendessen – wird durchaus geschätzt und ist absolut üblich. Wer gut gegessen hat, lässt einfach etwas da.
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FAQ: Alles über den Copperto in Italien
Was ist der Copperto in Italien?
Der Copperto ist eine Gedeck- oder Sitzplatzgebühr, die in vielen italienischen Restaurants pro Person auf der Rechnung erscheint. Sie deckt in der Regel das Brot, die Grissini sowie den gedeckten Tisch ab und ist ein etablierter Bestandteil der Restaurantkultur in Italien. Die Höhe variiert je nach Lokal und Region – von einem Euro bis zu mehreren Euro pro Person ist alles möglich.
Ist der Copperto in Italien Pflicht oder kann man ihn ablehnen?
Wenn ein Restaurant Copperto erhebt, muss es das auf der Speisekarte ausweisen. In diesem Fall ist die Gebühr verpflichtend und kann nicht einfach abgelehnt werden. Wer aber aufmerksam die Karte liest, bevor er Platz nimmt, weiß im Voraus, was ihn erwartet. In manchen Städten und Regionen Italiens ist der Copperto inzwischen gesetzlich reguliert oder sogar verboten – zum Beispiel war er in Rom zeitweise untersagt.
Müssen auch Kinder oder Babys Copperto zahlen?
Das ist nicht einheitlich geregelt und liegt im Ermessen des jeweiligen Restaurants. Kleinkinder, die auf dem Schoß sitzen oder schlafen, werden in der Regel nicht extra berechnet. Bei Kindern, die am Tisch sitzen und das Brot essen, können manche Lokale den Copperto anteilig verlangen. Im Zweifel einfach kurz fragen – das ist völlig normal und in Italien kein Problem.
Ersetzt der Copperto das Trinkgeld?
Nein. Der Copperto ist eine feste Gebühr und hat mit dem Trinkgeld für den Kellner nichts zu tun. In Italien ist Trinkgeld zwar keine feste Pflicht wie in anderen Ländern, aber es ist durchaus üblich, bei einem guten Essen ein paar Euro extra dazuzulassen. Bei einem längeren Abendessen mit mehreren Gängen ist ein kleines Trinkgeld eine schöne Geste.
Warum steht auf jeder Rechnung in Italien ein Bon?
Italien hat bereits in den 1980er-Jahren die steuerlich verpflichtende Ausstellung von Kassenbons eingeführt – die scontrino fiscale. Das Ziel war die Bekämpfung von Steuerhinterziehung. Ob Eisdiele, Supermarkt oder Restaurant: Ein Bon muss ausgestellt werden. Deshalb bekommt man ihn in Italien praktisch überall automatisch in die Hand gedrückt.
Gibt es Unterschiede beim Copperto zwischen Nord- und Süditalien?
Ja, tatsächlich. Der Copperto ist vor allem in Mittel- und Norditalien verbreitet, zum Beispiel in der Toskana, Ligurien oder am Comer See. Im Süden, auf Sizilien oder in Kalabrien, ist er weniger verbreitet oder fällt niedriger aus. Touristisch stark frequentierte Orte haben tendenziell höhere Coppertogebühren als kleinere, lokale Trattorien abseits der Hauptstraßen.

