Wer glaubt, Wirtschaftskrimis seien langweilig, hat Hendrik Holt noch nicht gehört. Der heute 35-Jährige aus dem emsländischen Haselünne inszenierte sich über Jahre als junger Visionär der deutschen Energiewende – politisch bestens vernetzt, mit charismatischem Auftreten, einer scheinbar boomenden Holding und dem Versprechen, große Windkraftprojekte selbst in konfliktreichen Regionen durchzusetzen. Investoren glaubten ihm. Energiekonzerne glaubten ihm. Fast alle glaubten ihm.
Das Problem: Die Projekte existierten so gut wie nicht. Genehmigungen, Unterschriften, Zustimmungserklärungen von Gemeinden und Grundstückseigentümern – systematisch gefälscht, teils schlicht am Rechner erstellt. Das Fundament eines geplanten Milliarden-Deals war purer Schwindel.
Eine Doku, die mehr ist als ein Wirtschaftskrimi
Die ARD Mediathek hat seit Ende März 2026 die außergewöhnliche Dokumentation „Holt – Der Windkraft-Schwindler“ online verfügbar – produziert von Frisbeefilms im Auftrag von SWR, HR und NDR. Regie führte Jan Peter, der gemeinsam mit Co-Autorin Sandra Naumann bereits die erfolgreiche Doku-Serie „Lubi – Ein Polizist stürzt ab“ verantwortete. Dieselbe kreative Handschrift, ein noch größerer Fall.
Der Film folgt Holts Aufstieg und Fall in bemerkenswert direkter Manier: Holt selbst sitzt vor der Kamera, spricht, erklärt, inszeniert sich – und entlarvt sich dabei selbst. Auch seine Ehefrau, seine Großmutter, frühere Weggefährten, Staatsanwälte und Journalisten kommen zu Wort. Was dabei entsteht, ist kein trockenes Protokoll eines Wirtschaftsstrafverfahrens, sondern ein echter Unterhaltungs-Thriller – menschlich, erschreckend und fesselnd zugleich.
Produzent Alexander Bickenbach bringt es auf den Punkt: Der Betrug funktionierte nicht im Verborgenen. Er funktionierte, weil alle hinsahen und trotzdem glaubten.
Das System Holt: Familienbetrieb als Tarnung
Besonders verstörend ist die Rolle des familiären Umfelds. Mehrere Angehörige waren aktiv in die Geschäfte eingebunden – und wurden später ebenfalls zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Im Mai 2022 wurde Holt wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Zuvor hatte ihn die Staatsanwaltschaft Osnabrück im April 2020 im Berliner Hotel Adlon festgenommen – ein symbolträchtiger Ort für einen Mann, der sein Leben als Luxusmärchen inszeniert hatte.
Und jetzt? Holt plant schon das nächste Kapitel
Was die Sache zusätzlich bizarr macht: Holt plant für die Zeit nach seiner Haftentlassung eine Rückkehr in die Energiebranche, wie Agrarheute berichtet. „Ich bin Unternehmer. Und das wird immer so bleiben“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. Er sehe sich weiterhin als Experten – „Da gehöre ich zu den wirklich guten Köpfen in diesem Land.“
Ob die Branche das genauso sieht, bleibt abzuwarten. Skeptiker gibt es reichlich.
Die Dokumentation ist jetzt hier kostenlos in der ARD Mediathek abrufbar – für alle, die wissen wollen, wie ein solcher Betrug überhaupt möglich war. Und warum so viele so lange weggeschaut haben. Mehr spannende Serien und Dokus aus der Region Bodensee-Oberschwaben gibt es übrigens regelmäßig auf AdriBlueNova.
Bildrechte Titelbild: SWR/Frisbeefilms/Bianca Domula
Häufige Fragen zur ARD-Doku „Holt – Der Windkraft-Schwindler“ und dem Fall Hendrik Holt
Wo kann ich „Holt – Der Windkraft-Schwindler“ schauen?
Die Dokumentation ist seit dem 27. März 2026 kostenlos in der ARD Mediathek online verfügbar und dort bis zum 27. März 2028 abrufbar. Im linearen Fernsehen lief sie am 8. April 2026 um 22:50 Uhr im Ersten.
Wer ist Hendrik Holt und was hat er genau gemacht?
Hendrik Richard Holt, geboren 1990 in Haselünne im Emsland, inszenierte sich als Windkraft-Unternehmer und lockte Investoren mit vermeintlich genehmigungsreifen Windparkprojekten. Die zugrundeliegenden Unterlagen waren weitgehend gefälscht. 2022 wurde er wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt.
Wer hat die Doku „Holt – Der Windkraft-Schwindler“ produziert?
Der Film ist eine Produktion von Frisbeefilms im Auftrag von SWR, HR und NDR. Regie führte Jan Peter, Co-Autorin war Sandra Naumann – dasselbe Team, das bereits die viel beachtete Doku-Serie „Lubi – Ein Polizist stürzt ab“ realisiert hat.


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