Kennt Ihr bereits den See Lario? Es gibt Orte, die man kennt, bevor man sie je gesehen hat. Der Comer See ist so einer. Azurblaues Wasser, das sich zwischen steilen Felswänden erstreckt, üppige Vegetation, verwitterte Villen mit Bootsstegen – irgendwie hat man das alles schon mal geträumt. Kein Wunder, dass der See seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Reisezielen Italiens gehört. Doch wer glaubt, den Comer See wirklich zu kennen, sollte einmal genauer hinschauen: Denn eigentlich heißt der Comer See gar nicht Comer See.
Wie der See entstand – und wo er überhaupt liegt
Der Comer See liegt im Norden der Lombardei, eingeklemmt zwischen den südlichen Ausläufern der Alpen und der Po-Ebene – ungefähr eine Stunde nördlich von Mailand. Geographisch gesehen handelt es sich um einen Gletschersee, der am Ende der letzten Eiszeit vor rund 10.000 bis 15.000 Jahren entstanden ist. Gewaltige Gletscher fraßen sich damals durch das Gestein und hinterließen ein tiefes Becken, das anschließend mit Schmelzwasser volllief. Mit einer maximalen Tiefe von 410 Metern ist er übrigens einer der tiefsten Seen Europas – ein Fakt, den die meisten Besucher beim Blick aufs glitzernde Wasser vermutlich nicht ahnen.
Seine charakteristische Y-Form macht ihn unverwechselbar: Zwei Arme zweigen nach Süden ab, einer Richtung Como, der andere Richtung Lecco. In der Mitte liegt die Halbinsel Bellagio, die wie eine Art natürlicher Scheideweg wirkt.
Seide, Schönheit und Promis – warum alle an den Comer See wollen
Die Region rund um den See hat eine lange Geschichte als Produktionsstandort für hochwertige Seide. Seit dem Mittelalter wurden hier Seidenraupen gezüchtet, ab dem 15. Jahrhundert entwickelte sich Como zur Seidenhauptstadt Europas – und das ist bis heute geblieben. Wer ein feines Seidentuch bei Armani oder Hermès kauft, hält gut möglich ein Stück Como in den Händen.
Dazu kommt eine Kulisse, die Filmemacher und Reiche gleichermaßen anzieht. Clooney hat hier eine Villa, Madonna war Gast, und gefühlt jede zweite Hochglanzwerbung für Luxusuhren oder Parfum wurde irgendwo an diesem Ufer gedreht. Der Tourismus ist entsprechend: bunt, laut an manchen Ufern, und an ruhigeren Ecken noch immer von einer fast unwirklichen Stille geprägt. Wer etwa den Markttag in Como erlebt, bekommt einen ganz anderen – echteren – Eindruck der Stadt.
Lario: Der eigentliche Name des Sees
Jetzt kommt der Teil, der viele überrascht. Auf Italienisch heißt der See offiziell Lago di Como – also „See von Como„, benannt nach der gleichnamigen Stadt am südwestlichen Ufer. Soweit, so logisch. Aber das war nicht immer so.
Der ursprüngliche, lateinische Name lautet Larius oder Lacus Larius, und dieser Name ist tatsächlich deutlich älter als der heute gebräuchliche. Schon Plinius der Ältere, der im ersten Jahrhundert nach Christus am Ufer dieses Sees aufwuchs, schrieb in seinen Briefen liebevoll vom Larius lacus. Sein Neffe, Plinius der Jüngere, besaß hier sogar zwei Villen – und nannte sie entsprechend Tragedia und Comedia, je nach Lage. Der Name Lario lebt bis heute weiter: In der Lombardei nennen viele Einheimische den See schlicht so, und auch Infrastruktur, Buslinien oder regionale Bezeichnungen tragen den Namen Lario noch immer stolz.
Wie aus Larius und Lario dann Lago di Como wurde, ist weniger dramatisch als man denkt: Die Stadt Como war schlicht die bedeutendste Siedlung am Ufer, Handelszentrum, bischöflicher Sitz, Tor zu den Alpen. Irgendwann setzte sich der geografische Alltagsbezug durch – der See wurde nach dem Ort benannt, nicht nach seiner eigenen Geschichte.
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Comer See – Lago di Como: Häufige Fragen zu Geschichte, Name und Reise
Warum heißt der Comer See auf Italienisch Lago di Como?
Der Name Lago di Como leitet sich von der Stadt Como ab, die am südwestlichen Ufer liegt und historisch die bedeutendste Siedlung der Region war. Im Laufe der Jahrhunderte setzte sich dieser geografische Bezug im Alltagsgebrauch durch – obwohl der See einen eigenen, deutlich älteren Namen hat.
Was bedeutet Lario und woher kommt dieser Name?
Lario stammt vom lateinischen Larius lacus, dem ursprünglichen Namen des Sees aus der Antike. Schon der römische Autor Plinius der Ältere verwendete ihn im ersten Jahrhundert nach Christus. Bis heute ist Lario in der Lombardei ein gebräuchlicher Alternativname, der vor allem unter Einheimischen lebt.
Wie ist der Comer See entstanden?
Der Comer See ist ein Gletschersee, der am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren entstand. Eiszeitliche Gletscher formten das Becken, das sich anschließend mit Schmelzwasser füllte. Mit einer Tiefe von bis zu 410 Metern zählt er zu den tiefsten Seen Europas.
Wofür ist die Region um den Comer See bekannt?
Die Stadt Como gilt seit dem Mittelalter als eine der bedeutendsten Seidenproduktionsstätten der Welt. Noch heute werden viele Luxus-Stoffe für internationale Modehäuser in der Region hergestellt. Dazu kommt die landschaftliche Kulisse, die den See zu einem Magneten für Touristen, Prominente und Filmproduktionen gemacht hat.
Was ist die besondere Form des Comer Sees?
Der See von Como, oder Lario hat eine charakteristische Y-Form mit zwei südlich verlaufenden Armen. Der westliche Arm endet in Como, der östliche in Lecco. An der Gabelung liegt die Halbinsel Bellagio – einer der bekanntesten und malerischsten Orte der gesamten Region.


