Camping war gestern – zumindest in seiner pursten Form. Wer heute Familienurlaub plant oder als Paar einen naturnahen Kurztrip sucht, erwartet zunehmend mehr als einen Stellplatz mit Stromanschluss. Der Trend zeigt in eine eindeutige Richtung: Komfort und Natur schließen sich nicht länger aus. Für Campingplatzbetreiber bedeutet das eine echte Chance zur Neupositionierung.
Rekordübernachtungen und ein Millionenmarkt
Der deutsche Campingtourismus erlebt seit Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 rund 44,7 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen verzeichnet – ein Plus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als doppelt so viele wie noch 2005. Parallel dazu wächst das sogenannte Glamping-Segment rasant: Für 2026 wird sein Marktvolumen in Deutschland auf rund 200 bis 220 Millionen Euro geschätzt. Glamping – die Kombination aus naturnahem Urlaub und dem Komfort einer hochwertigen Unterkunft – spricht Gäste an, die sich weder auf einen Schlafsack einlassen wollen noch auf die Atmosphäre eines Ferienhotels.
Neue Gästegruppen durch bessere Ausstattung
Modulare Mietunterkünfte wie Tiny Houses, Mobilheime oder A-Frame-Häuser erweitern das klassische Camping-Publikum erheblich. Paare auf Kurztrip, Familien mit Kindern oder ältere Reisende, die auf eigene Ausrüstung verzichten möchten – sie alle werden durch komfortable Festunterkünfte zu einer neuen Zielgruppe für Campingplätze. Gut isolierte Gebäude haben zudem den wirtschaftlichen Vorteil, dass sie über eine deutlich längere Saison vermietet werden können als reine Stellplätze.
Schrittweise wachsen statt alles auf einmal riskieren
Nicht jeder Betreiber kann oder möchte sofort eine komplette Glamping-Anlage aus dem Boden stampfen. Modulare Konzepte bieten hier einen entscheidenden Vorteil: den schrittweisen Einstieg. Indrek Kuldkepp, Geschäftsführer von Avrame, bringt es auf den Punkt: „Solche Lösungen ermöglichen es Betreibern, ihr Angebot zunächst mit wenigen Einheiten zu erweitern und erste Erfahrungen zu sammeln, bevor sie größere Investitionen tätigen. Modulare Baukonzepte schaffen dafür die nötige Flexibilität und ermöglichen einen schrittweisen Ausbau – orientiert an der tatsächlichen Nachfrage.“
Das estnische Unternehmen Avrame hat sich auf markante A-Frame-Häuser mit charakteristischer Dreieckarchitektur spezialisiert. Ihre Ästhetik unterscheidet sich bewusst von klassischen Mobilheimen und verleiht naturnahen Standorten ein eigenständiges, wiedererkennbares Erscheinungsbild. Angeboten werden verschiedene Größen und Ausbaustufen – von der kompakten Unterkunft für Paare bis zur geräumigen Ferienlösung für Familien.

Bildquelle: AVRAME
Bestehende Infrastruktur als Startvorteil
Was viele Campingplatzbetreiber unterschätzen: Ihr Gelände bringt oft bereits die entscheidende Grundlage mit. Erschlossene Zufahrten, vorhandene Energie- und Wasserversorgung sowie touristische Infrastruktur erleichtern die Integration von Festunterkünften erheblich. Ein vollständig neu erschlossenes Ferienhausareal wäre deutlich aufwendiger. Kuldkepp sieht darin einen klaren Wettbewerbsvorteil für Betreiber, die ihr bestehendes Angebot schrittweise ausbauen möchten.
Wirtschaftlich lohnt sich Premium-Vermietung häufig durch höhere Übernachtungspreise – eine realistische Gesamtkalkulation einschließlich Transport, Montage, Erschließung und laufendem Betrieb bleibt dennoch unerlässlich. Jährliche Standplatzkosten auf Campingplätzen liegen Branchenangaben zufolge häufig bei 1.000 bis 2.000 Euro.
Genehmigungspflicht: Früh klären, später entspannt handeln
Auch wenn modulare Häuser flexibel wirken – genehmigungsfrei sind sie nicht grundsätzlich. Welche Anforderungen gelten, hängt vom Bundesland, der Standortart und der konkreten Nutzung ab. Für Unterkünfte auf ausgewiesenen Campingplätzen können unter bestimmten Voraussetzungen vereinfachte Regelungen gelten. Bei Avrame kommen für diese Nutzungsform insbesondere die Modelle der DUO Series und SOLO+ Series infrage. Dennoch gilt: Eine frühzeitige Abstimmung mit Campingplatzbetreiber, Gemeinde und Bauaufsichtsbehörde ist in jedem Fall ratsam.
Ergänzung, keine Revolution
Hochwertige Mietunterkünfte müssen nicht den gesamten Charakter eines Campingplatzes verändern. Sie entfalten ihren größten Mehrwert dort, wo sie das bestehende Angebot sinnvoll ergänzen – und nicht ersetzen. Wer seinen Platz schrittweise weiterentwickelt, ohne dabei seine Stammgäste zu verlieren, hat die Erfolgsformel des modernen Campingtourismus verstanden.

